Schwarzangeln für Anfänger

Nachdem ich meinen Arbeitskollegen André erfolgreich mit dem Angelvirus infiziert habe, stellte sich kurz vor Weihnachten folgendes Problem ein:
Was stellt man mit einem Anfänger an, der seinen 5-Jahresschein erst nach den Feiertagen abholen kann, aber extrem hibbelig wird wenn er Wasser sieht, und sei es nur im Aquarium?

Die Lösung ist so einfach, wie naheliegend: Schwarzangeln!!!

Ok, ganz so dramatisch kann man es vielleicht nicht beschreiben. Denn wenn einer der Angler einen Angelschein hat und auch noch im Besitz des Gewässerscheins ist, welcher zwei Ruten erlaubt, dann will sich der Nervenkitzel, den man als Jugendlicher verspürte nicht so recht einstellen.
Über mangelnde Aufregung konnte ich mich bei meinem Angelpartner trotzdem nicht beklagen. Es sollte nicht bloß ein kurzer Ansitz am Rhein werden, ein Nachtangeln sollte es werden.
Für mich also DIE Gelegenheit endlich mein neues Karpfenzelt auszuprobieren. Ich verrate kein Geheimnis wenn ich sage, dass Andrea eher der Sonnenschirmangler ist… so langsam bekomme ich allerdings das Gefühl, dass Andreas Gehirn temperaturgesteuert ist. Fallen die Temperaturen unter 10° C (ich nenne es den andreanischen Gefrierpunkt) schafft es Andrea nicht mehr, die Frage “Kommst du mit zum Angeln?” in einen syntaktisch sinnvollen Zusammenhang zu bringen.

Für uns bedeutete das: mehr Platz im Auto für Bier und Angelzeug!

Mein neues Zelt, das  “5 Seasons 2 Mann Dome deluxe” war dabei eine absolut positive Überraschung: aufgebaut war es in ca. 3 Minuten. Es machte von Anfang an einen wertigen und gut verarbeiteten Eindruck.  Und es hat eine Nacht überstanden, die Ihresgleichen sucht:

Der Wetterbericht hatte uns zwar auf heftigen Wind vorbereitet, nicht aber auf den extremen Regen, der durch den orkanartigen Wind ständig von der Seite zu kommen schien.
Ein Spaziergänger, der seinen Hund bei dem Sauwetter Gassi führte (Leute gibts! Bei dem Wetter…) schaute uns eine Zigarettenlänge beim Sortieren und Aufbauen zu und konsternierte: “Das Wasser ist in Koblenz schon 50 cm höher. Das wird eng mit eurem Zelt”
Sprach’s und trottete davon.

André und ich dürften in diesem Moment ziemlich belämmert aus der Wäsche geguckt haben. Aber die Abwägung zwischen dem Risiko, mitten in der Nacht vom Rhein im Zelt besucht zu werden oder bei Sturm und Regen das Zelt zu versetzen dauerte keine Sekunde… eine weitere Sekunde später saßen wir im Zelt und öffneten das erste Bier.

Die Strategie für diesen Abend bald geklärt: Wegen dem hohen Wasserstand, dem extremen Wind und der starken Strömung würden wir mit Grundmontagen angeln.
Funkbissanzeiger ermöglichten uns den Luxus im Zelt zu sitzen Männergespräche zu führen und unsere Biervorräte zu dezimieren.
Schrieb ich uns? Naja, ICH konnte es mir im Schlafsack gemütlich machen. Andrés Platzwahl stellte sich bald als suboptimal heraus, da ständig Treibgut in seiner Schnur zu Sprinteinlagen am Rheinufer führten.
So blieb es auch bis 2 Uhr morgens, als ich statt frustrierten Flüchen plötzlich Jubelgeschrei vernahm…

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Jetzt hatte dieser verfluchte Anfänger in seiner ersten Angelnacht tatsächlich einen 52 cm IMG_20141221_174146103Döbel gefangen! Den würde ich doch niemals wieder auf den Boden der Tatsachen bekommen!

Neid war aber nicht angebracht, im Gegenteil. Nachdem wir den Fisch versorgt hatten mussten wir nicht nur feststellen, dass das offene Zelt rapide ausgekühlt war, sondern auch der Rhein war ein ganzes Stück näher gerückt.
Nass und frierend mussten wir uns also etwas ausdenken, wie wir die Zeit bis zum Sonnenaufgang überstehen würden… aber was im Zelt passiert ist, bleibt im Zelt.

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