Ultralight? Ultrageil!

Nachdem mir mein Tackledealer des geringsten Misstrauens den Floh einer UL-Rute ins Ohr gesetzt hat, habe ich geschlagene 3 Wochen widerstanden. Tapfer! Heroisch! Vergeblich.
Die ersten 14 Tage habe ich versucht mir die Idee auszureden und, als das nicht fruchtete, eine gute Woche darauf verwendet mir die Anschaffung schön zu reden.
Diese Aufgabe war deutlich einfacher, wenn auch nicht ohne Geburtsschmerzen zu bewältigen. Mein bisheriges Credo: „Es gibt keinen sinnvollen Grund für kleine Köder!“ musste ich der pragmatischen Theorie unterordnen, dass Frequenz gleich Erfahrungsgewinn ist.
Zugegeben, eine recht dünne Argumentation, vor allem weil mich kleine Barsche, auch wenn es viele waren, noch nie so wirklich befriedigt haben.
Ausschlaggebend war vielleicht doch das feine Stöckchen, um das ich in den letzten Wochen bei jedem Angelshopbesuch herumgeschlichen bin.

Die polnische Firma „Mikado“ hatte ich nicht so wirklich auf dem Schirm, wenn ich ehrlich bin. Ärgerlich, denn als ich die Rute zum ersten Mal in der Hand hatte war mir sofort klar, dass es sich um echte Qualitätsarbeit handelt.
Zum Vergleich hatte ich auch eine Hearty Rise Rock ’n‘ Force, eine Shimano Diaflash und eine Shimano Poison Adrena in den Fingern. Ausnahmslos extrem geile Ruten. In diesem Fall waren sie mir den Preisunterschied von teilweise 300% jedoch nicht wert.
Die Sicario SL Spin besteht aus einem hochverdichteten Kohlefaser-Blank mit Fuji SKSS Rollenhalter und ist mit erstklassigen SIC-Ringen bestückt. Schnell, feinfühlig und erschreckend kräftig.

Am Wochenende konnte ich dann zum ersten Mal zielgerichtet damit ans Wasser, sprich strömungsberuhigte Bereiche in Buhnen und Hafengegenden, und das Ergebnis war schlimmer als befürchtet. Ich konnte mich kaum noch vom Wasser lösen, bin nur weg wenn ich neue Köder oder Microjigs brauchte.

Der Plan Barsche zu zuppeln ging nur bedingt auf, denn hauptsächlich haben sich Zander (!) in meine 1″ Kopytos verguckt.
Absolut keine Riesen, aber knapp untermaßige Zander machen an einer 7g Rute viel Spaß, der Lerneffekt war enorm und zurücksetzen problemlos möglich und legal.

Ich bin jetzt übernächtigt, mein Tackledealer glücklich, meine Köderbox um eine Köderklasse erweitert und mein Erfahrungsschatz um nicht gezählte Zander, Barsche und zwei Grundeln reicher.

 

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Der geschenkte Gaul

Ich will mich auf mein Tackle verlassen können. Daher gebe ich gerne auch mal Geld für Dinge aus, bei denen Andrea oder André den Kopf schütteln. Sollen sie. Ich bin sicher, dass ich recht damit habe.

Am Wochenende haben André und ich das erste Mal auf Wels angesessen. Kernstück war eine Wallerrute, welche ich aus einem Nachlass übernommen habe.
Wahrscheinlich wäre etwas mehr Misstrauen angebracht gewesen.
Manchmal hasse ich es, wenn ich recht habe.

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Neues aus dem Reich der Mitte

Habt ihr auch schon mal von diesen ominösen China-Wobblern gehört, die einen Bruchteil dessen kosten was man hierzulande berappen muss und dabei mindestens gleichwertig erscheinen?
Also ich habe bisher nur in Unterforen der größeren Angelseiten davon gelesen, zusammen mit der Warnung, dass das ja alles nur Verbrecher sein können, die krebserregende Billigkopien verkaufen und dabei der altruistischen Angelindustrie das Leben schwer machen. Natürlich nur, falls man überhaupt etwas bekommt für sein Geld.

Wie hätten wir bei soviel Gerüchten und Schreckensmeldungen überhaupt anders handeln können, als es einmal selber zu versuchen?
Nach kurzer Suche, Recherche kann man es nicht nennen, stößt man auf AliExpress.com.

AliExpress gehört zur AliBaba Group, zugegeben für europäische Ohren eher weniger vertrauenserweckend, besonders wegen der Assoziation mit den 40 Räubern. Aber ein schneller Blick ins Firmenportfolio macht deutlich, dass man es hier nicht mit fliegenden Händlern zu tun hat:
An dem Unternehmen sind u. a. Yahoo und Softbank beteiligt. Der Jahresumsatz liegt bei 15,6 Mrd. USD und hat im letzten Jahre  Filmproduktionen wie beispielsweise an Star Trek Beyond mitfinanziert.

AliExpress, immerhin eine der 60 meistbesuchten Webseiten welweit, ist eine Business-to-Customer-Handelsplattform., d.h die gesamte Produktpalette vom Hersteller ohne jeglichen Zwischenhandel direkt an der Endverbraucher geliefert. Durch den Wegfall von Zwischenhändlern kommen teilweise erstaunlich günstige Einkaufspreise zustande.

Das Prinzip ist jedem bereits von eBay oder auch Amazon bekannt, und ebenso einfach läuft der Einkauf ab. Man sollte jedoch des Englischen mächtig sein. Aliexpress hat seit September 2014 eine deutsche Plattform (de.aliexpress.com, auch unter aliexpress.de zu erreichen) die Übersetzung verwirrt aber oft mehr, als sie hilft.
Die meisten Händler bieten eine Lieferung direkt nach Deutschland an. Größtenteils sogar kostenlos!Gezahlt werden kann per Überweisung, Kreditkarte, Paypal, Western Union oder Moneybooker.

 

Die Lieferzeiten aus China sind echt ein Tritt in den Hintern. 29 – 59 Tage! Autsch.
Die Händler schreiben sogar dazu, dass man Glück oder eben Pech haben kann.
Ich hatte mit meiner Bestellung Glück, sie kam ziemlich genau am 29. Tag an.
Die Lieferung war zuverlässig und prima verpackt. Da ich mittlerweile nur noch die Verpackungsorgien von Amazon gewohnt bin war ich erstmal skeptisch ob die Lieferung denn auch komplett ist. War sie natürlich.
Das Paket wurde zollamtlich geöffnet, wohl weil Angelköder etwas aussergewöhnlich sind. Unterhaltungselektronik ist wohl eher der Standard.

Die Qualität der Gummifische ist durchgehend hervorragend. Die Verarbeitung schlägt ausnahmslos alles was ich in vergleichbaren Preisklassen im Angelladen um die Ecke finde.
Vergleichbar sind die Produkte mit den Originalen, denn fast alles was ich bestellt habe erinnert mich an namhafte Produkte von Keitech oder Fish Arrow.
Oft sind die Produktnamen wie Easy Shiner etc. einfach übernommen worden.
Ob es sich hierbei um einen Lizenzvertrieb oder Dreistheit handelt weiß ich nicht. Im Ergebnis bekomme ich jedoch hervorragende Köder für 25 – 30% des regulären Preises.

Bei den Hardbaits sieht es etwas anders aus. Auf den ersten Blick machen sie einen guten Eindruck und können mit dem mittelpreisigen Segment in Deutschland mithalten.
Das Laufverhalten ist tadellos, was mich bei einem Preis von ca. 1,05 € je Stück überraschte.
Meterhechte würde ich den Wobblern allerdings nicht anvertrauen. Die Haken biegen sich mit einem zur Hälfte gefüllten Putzeimer langsam auf. Das passiert mir mit einem 10 €-Wobbler eher selten. Ausserdem besitzen sie keine Seele an der die Drillinge befestigt sind, diese sind nur in den Kunststoff eingegossen.
Für den materialfressenden Rhein ist die Bestellung sicher lohnend, vor allem da hier weniger mit Großhechten zu rechnen ist.

Als Fazit sei festgehalten, dass es sicher nicht die letzte Bestellung im Reich der Mitte war. Diesmal werde ich die „teuren“ Wobbler für 4 € ausprobieren.
Mal sehen ob die Preissteigerung von 400% sich auch in der Verarbeitung niederschlägt.

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Der Fluch ist gebrochen

Seit der Barbe zum Jahresanfang hatte mich das Anglerglück verlassen.
Ich bin zwar nicht abergläubig, aber mit jedem Schneidertag wurde mir mulmiger.
Man hört ja heutzutage so allerlei von Pharaonengräbern und zerbrochenen Spiegeln.

Alles Unfug natürlich, Geschichten um Kinder zu erschrecken damit sie fleißig für den Angelschein üben.
Die abstehenden Ohren kommen übrigens von der Mütze, nicht vom Fluch. An Übernatürliches glaube ich sowieso erst wenn ich auf einem Foto mal nicht grenzdebil aussehe.
Dennoch hat der Döbel mich unglaublich motiviert nach der langen Durststrecke.
Außer etwas Farbe haben die beiden leider nichts mitnehmen können.
Aber bei dem Wetter draußen zu sein ist ja sowieso das Größte… außer einen Fisch zu fangen, versteht sich.

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Jeder hat ein Schatzkästchen

Der Eine bewahrt sein Kleingeld darin auf, ein Anderer Kindheitserinnerungen und der Nächste die Schokolade die niemand sonst essen darf.

Ich habe auch eines.
Es sieht aus wie ein kleiner Koffer, ist rosa und vorne drauf prangt eine „Hello Kitty“ mit einer Blume in der Hand.

Warum ich davon erzähle?
Darin bewahre ich keinen Schmuck oder Nagellack auf, darin ist alles was jeder gute Angler immer bei sich haben sollte: Messer, Hakenlöser, Schlagholz, Maßband usw.

Es soll ja Leute geben die kaufen sich erst sämtliche Aufbewahrungskästen aus dem Baumarkt oder nutzen alles was der Haushalt hergibt, nur um dann festzustellen, dass die Japaner eine bessere und vor allem noch teurere Idee hatten um das Ganze zu verpacken.

Aber hey, jedem das seine und mir die Hello Kitty!

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Ich packe meinen Koffer…

Ich glaube, von dem Tag an, an dem wir unsere erste Rute in die Hand nehmen versuchen wir Ordnung in unser Tackle zu bekommen.
Wir sortieren Jigköpfe nach Hakengröße und Gewicht, Wirbel nach Tragkraft, Bauform und Verwendungszweck, Köder nach…. ihr wisst schon was ich meine!
Und ihr kennt sie sicher alle. Die Zigarrenkisten von Opa, die Tupperdosen von Mutti oder der Ehefrau, die Filmdosen, Schachteln, Tüten…
Absolut kein Verpackungsmüll wandert in die Tonne ohne auf Wiederverwendbarkeit geprüft worden zu sein.
Und wenn uns das alles nicht mehr ausreicht, dann fahren wir in den Baumarkt.
Dort kaufen wir dann die günstigen Plastikdosen bei denen zuerst die Scharniere und Verschlüsse abbrechen, bevor der Deckel reißt. Ihr wisst schon, die Eigenmarken, deren vorgegebene Einteilung nur bei 8 von 10 Wobblern passt und die sich mit unseren Gummiködern nicht vertragen…

Ich habe beschlossen das zu ändern. Dabei bin ich dann auf die Meiho Versus VS-3080 gestoßen und war schnell überzeugt.

Maße: 480 x 356 x 186 mm

Zum ersten Mal habe ich sie bei einem Freund gesehen, der mir ihre Vorteile gleich demonstrierte.

  • Meiho verwendet ausschließlich erstraffiniertes Polycarbonat. Der konsequente Verzicht auf Recyclingmaterial ist zwar nicht ideal für den ökologischen Fußabdruck, macht die Box aber unheimlich formstabil.
    Schlagzäh und bruchfest wird sie dadurch ebenfalls und das vor allem bei knackigen Minusgraden
  • Metallteile sind aus Edelstahl. Ohne Ausnahme. Nichts verbiegt oder rostet, selbst im Salzwasser
  • Produkte von Meiho sind absolut sauber verarbeitet. Man findet keine Gußkanten oder Spritznasen

  • Das obere Fach ist durch das Micro-Ribbing-System individuell einteilbar. Individuell bedeutet alle 5 mm kann eine Einteilung gesetzt werden. Die ausreichend mitgelieferten Einschübe lassen sich ohne Gewalt  trennen und umverteilen. Da spürt man die Qualität
  • Die spezielle Griffkonstruktion des Unterteils, das Double-Locking-System, verhindert ein ungewolltes Öffnen wenn man den unverschlossenen Koffer anhebt.
    Schwer zu erklären aber einfach zu verstehen wenn man es sieht.
    Der Deckel des 3080 verriegelt mit seiner speziellen Rastung.
  • Die entspechenden Komponenten aus dem Versus-Programm fügen sich nahtlos in die grob vorgegebene Teilung des Hauptfaches ein.
  • Kleine bis mittlere Hardbaits können hier eingehängt werden oder auch in der VS-4060 untergebracht werden.
  • Meiho bietet ein ganzes Sortiment kleinerer Boxen an, welche passgenau auf die VS-3080 abgestimmt sind. Somit  kann  jeder Winkel der Tacklehöhle genutzt werden.Die häufigste Teilung die ich bisher gesehen habe besteht entweder aus:

1x VS-4060
7x VS-820, VS820ND, VS-820NDM

oder

1x VS-4060
2x VS-820, VS-820ND oder VS-820NDM
4x VS-508, VS-708 oder VS-808

Das Potential des Koffers ist damit noch keinesfalls ausgeschöpft. Wenn man einen Blick in den Katalog wirft findet man ein großes Angebot durchdachter Erweiterungen.
Wurmsichere oder flüssigkeitsdichte Boxen, pillendosenartige Lösungen für Terminaltackle…
Die Möglichkeiten sind schier endlos. Somit wird die 3080 schnell zum Trägersystem für die zu Hause eingelagerten AddOns.

Auf den ersten Blick ist der Koffer kein Schnäppchen. Mit rund 70 Euro bei diversen Online-Händlern liegt die Latte für einen Spontankauf sicher hoch.
Wenn ich mir jedoch überlege wieviel Geld ich bereits in unausgegorene Bastellösungen aus dem Baumarkt inverstiert habe, ärgere ich mich diese Investition nicht schon eher getätigt zu haben.

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Zufallsfang!

Zufall! Wenn ich das schon höre! Angelneid, sage ich!
Aber von vorne…

Das letzte Jahr endete für WFHR ja bereits Ende August mit einem tollen PB-Barsch. Unsere weiteren Angeltouren nach Ditzum und zum Edersee wurden eher ein Opfer der Umstände, Niedrigwasser und schlechtem Wetter.

Um so größer war die Vorfreude auf steigende Temperaturen und hoffentlich steigenden Pegel. Als dann zumindest die Wettervorhersage Besserung versprach hätten wir vor lauter Vorbereitung fast vergessen die Jahreskarten zu besorgen.

Pünktlich zum Wochenende kletterte die Temperatur auch wieder über die 0°C und los gings, getreu nach dem Motto:

„Wo Wasser ist, da ist auch Fisch!“

Dumm nur, wenn kein Wasser da ist.
Zum Glück angeln wir jetzt lange genug am Rhein um bei (fast) jedem Wasserstand einen Spot zu kennen an dem noch was geht.

Bei einem Wasserstand von 115 cm ist Spinnfischen kein wirklicher Lustgewinn.

Aber wenn die Wasserkante wirklich nur noch den sprichwörtlichen Steinwurf von der Hauptströmung entfernt ist, dann starten wirdie Saison 2017 eben mit einer Feeder-Session.

Dieses Jahr habe ich mir sowieso vorgenommen öfter auf Friedfische zu angeln. Und Barben haben es mir besonders angetan wenn ich am Rhein fische. Diese Torpedos, die den Großteil ihres Lebens in der Fahrrinne des Rheins verbringen, liefern knallharte und ausdauernde Fluchten.
Daher war mein erster Gedanke auch, ich hätte einen vorbeitreibenden Baumstumpf erwischt.
Wer rechnet auch schon damit, beim ersten Angeln des Jahres, beim ersten Wurf, noch in der Absinkphase den Zielfisch ans Band zu bekommen?

Vielleicht verständlich, dass Andrea da Worte wie Zufall oder Glück in den Sinn kommen.
Für mich ist es einfach nur ein gutes Omen für das kommende Jahr.

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